In den letzten Jahrzehnten ein seltenes Phänomen, Winterwetter statt Feigenbäume

Winter

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Man hat sich im Oldenburger Münsterland fast schon daran gewöhnt, dass der Winter eher grau als weiß ist. Über Jahre hinweg blieben Schnee und Frost Randerscheinungen – wenn überhaupt. Umso überraschender ist es, wenn plötzlich wieder eine dünne Schneedecke Straßen, Dächer und Vorgärten überzieht und der Alltag kurzfristig in den Wintermodus schaltet.

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Frische Brötchen gibt es auch bei Schneewetter

Auch die Sternsinger waren heute früh schon unterwegs, um die Segensformel mit Kreide an die Hauswände zu schreiben.

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Sternsingerinnen warten schon früh auf ihren Einsatz

Gerade in einer Region, die winterliche Bedingungen kaum noch kennt, wirken diese Szenen fast wie aus einer anderen Zeit, die nur wir „Alten“ noch kennen. Zu unserer Kindheit kamen wir gerade aus einer „kleinen Eiszeit“, danach steigen die Temperaturen nunmal wieder an. Ein Hin und Her, wie seit Millionen von Jahren.

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Schneeschippen, für manche lästig, einigen macht´s aber auch Spaß
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In der Frühe sieht es am schönsten aus, da sind die Straßen noch nicht geräumt.

Auf meine Frage an die Künstliche Intelligenz, ob im Raum Köln schon einmal Feigenbäume wuchsen (habe ich kürzlich mal gelesen), bekam ich folgende Antwort:

Das klimatische Fenster vor der „Kleinen Eiszeit“

Zwischen ca. 950 und 1250 herrschte in Mitteleuropa die sogenannte Mittelalterliche Warmzeit. In dieser Phase lagen die Durchschnittstemperaturen deutlich über dem langjährigen Mittel der folgenden Jahrhunderte – teilweise vergleichbar mit heutigen Werten.

Für den Großraum Köln bedeutete das:

  • längere Vegetationsperioden

  • mildere Winter

  • geringere Spätfrostgefahr

  • stabile Sommerwärme

Genau diese Rahmenbedingungen sind der Business-Case für den Feigenanbau.

Historische Belege für Feigen im Rheinland

In mittelalterlichen Quellen und Klostergärten finden sich wiederholt Hinweise auf:

  • Feigen (Ficus carica)

  • Weinbau in Höhenlagen, die heute undenkbar wären

  • Marillen, Pfirsiche und andere wärmeliebende Kulturen

Gerade im Rheinland, rund um Köln, Bonn und das Siebengebirge, wurden Feigen:

  • in Kloster- und Herrengärten kultiviert

  • in geschützten Südlagen auch frei ausgepflanzt

  • teilweise als „Standardobst“ in warmen Hanglagen genutzt

Die Rheinregion war durch ihre Tallage und Wärmespeicherung ein natürlicher Hotspot für mediterrane Pflanzenstrategien.

Der strategische Bruch: Kleine Eiszeit

Ab etwa 1300–1850 folgte die Kleine Eiszeit:

  • deutlich kältere Winter

  • häufige Spätfröste

  • mehrere schwere „Hungerwinter“

In dieser Phase:

  • verschwanden Feigenbäume weitgehend aus der Fläche

  • wurden sie nur noch in geschützten Mauernischen oder Orangerien gehalten

  • brach die gesamte mediterrane Anbau-Logik im Rheinland ein

Die Feige wurde vom Produktionsfaktor zum Exoten-Projekt.

Fazit im Unternehmensjargon

Man kann also klar sagen:

Der Raum Köln hatte historisch bereits ein erfolgreiches „Feigen-Setup“ – das Geschäftsmodell scheiterte nicht an der Kulturpflanze, sondern an der veränderten klimatischen Marktlogik der Kleinen Eiszeit.

Was heute wieder passiert – Feigen in Hausgärten, selbst im Freiland – ist keine Innovation, sondern ein Relaunch eines mittelalterlichen Erfolgsmodells.