Clemens August Graf von Galen – historisches Dokument mit Unterschrift

Anmerkung: Neue Zielgruppe (siehe unten)

Es sind oft kleine Dinge, die Geschichte besonders greifbar machen. Ein altes Schriftstück, ein Brief, eine Unterschrift oder ein Dokument kann eine unmittelbare Verbindung zu vergangenen Zeiten herstellen. Ein solches Stück Zeitgeschichte das von Clemens August Graf von Galen eigenhändig unterschrieben wurde habe ich vor Jahren beim „Aufräumen“ im Keller gefunden, es war zwar eingerahmt, aber schon in schlechtem Zustand und „angefressen“.

Der Name von Galen ist eng mit der Geschichte des Bistums Münster und mit der deutschen Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus verbunden. Als Bischof von Münster erhob er öffentlich seine Stimme gegen staatliche Willkür und insbesondere gegen die nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde. Wegen seines entschlossenen Auftretens wurde er später als „Löwe von Münster“ bekannt.

Wer war Clemens August Graf von Galen?

Graf von Galen

Clemens Augustinus Joseph Emmanuel Pius Antonius Hubertus Marie Graf von Galen wurde am 16. März 1878 auf Burg Dinklage im Oldenburger Münsterland geboren. Er war das elfte von dreizehn Kindern des Reichstagsabgeordneten Ferdinand Heribert Graf von Galen und seiner Ehefrau Elisabeth, geborene Gräfin von Spee.

Er stammte aus einer traditionsreichen katholischen Adelsfamilie. Seine Erziehung war stark vom katholischen Glauben und vom gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein seiner Familie geprägt.

Nach seiner Schulzeit studierte er zunächst Philosophie und später Theologie. 1904 empfing er im Dom zu Münster die Priesterweihe. Anschließend begann seine Tätigkeit als Seelsorger. Viele Jahre wirkte er in Berlin, bevor er 1929 nach Münster zurückkehrte und Pfarrer an St. Lamberti wurde.

Der Weg zum Bischof von Münster

1933 änderte sich sein Leben grundlegend.

Am 5. September 1933 ernannte Papst Pius XI. Clemens August Graf von Galen zum Bischof von Münster. Am 28. Oktober 1933 wurde er im Münsteraner Dom zum Bischof geweiht.

Sein Wahlspruch lautete:

„Nec laudibus, nec timore“
Weder durch Lob noch durch Furcht.

Dieser Wahlspruch passt in besonderer Weise zu dem Bild, das von Galen später hinterlassen sollte.

Der „Löwe von Münster“

Der Beiname „Löwe von Münster“ steht bis heute für sein entschlossenes Auftreten.

Bemerkenswert ist dabei, dass die Nationalsozialisten von Galen trotz seiner öffentlichen Kritik nicht verhafteten. Das Regime fürchtete offenbar die Reaktion der Bevölkerung und insbesondere der katholischen Bevölkerung im Münsterland.

Eine Verklärung als durchgehend politischer Gegner des Nationalsozialismus wäre allerdings zu einfach. Von Galens Haltung war in vielen politischen und gesellschaftlichen Fragen von seiner konservativen, katholischen Weltanschauung geprägt. Seine historische Bedeutung liegt vor allem darin, dass er in entscheidenden Situationen öffentlich gegen konkrete staatliche Rechtsverletzungen und insbesondere gegen die Tötung unschuldiger Menschen Stellung bezog.

1946: Kardinal – und wenige Wochen später verstorben

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Clemens August von Galen weiterhin zu einer bedeutenden Stimme des katholischen Deutschlands.

Im Februar 1946 reiste er nach Rom. Am 21. Februar 1946 erhob Papst Pius XII. ihn zum Kardinal.

Doch von Galen war bereits schwer erkrankt. Am 16. März 1946, seinem 68. Geburtstag, kehrte er nach Münster zurück. Wenige Tage später musste er sich einer Operation unterziehen. Am 22. März 1946 starb Clemens August Kardinal Graf von Galen in Münster – nur wenige Wochen nach seiner Erhebung zum Kardinal.

Seine letzte Ruhestätte befindet sich im St.-Paulus-Dom zu Münster.


Tabellarischer Lebenslauf

Jahr Ereignis
1878 Geburt am 16. März auf Burg Dinklage im Oldenburger Münsterland
1898 Beginn des Theologiestudiums in Innsbruck
1903 Eintritt in das Priesterseminar in Münster
1904 Priesterweihe im Dom zu Münster
1904–1906 Tätigkeit als Domvikar und Kaplan in Münster
1906 Wechsel nach Berlin
1919 Pfarrer an St. Matthias in Berlin-Schöneberg
1929 Pfarrer an St. Lamberti in Münster
1933 Ernennung zum Bischof von Münster
1933 Bischofsweihe am 28. Oktober
1937 Unterstützung der Verbreitung der Enzyklika Mit brennender Sorge
1941 Drei berühmte Predigten gegen Maßnahmen des NS-Regimes, darunter die Tötung von Menschen im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“
1945 Ende des Zweiten Weltkriegs; von Galen setzt sich unter anderem für eine humane Behandlung der deutschen Bevölkerung und Kriegsgefangenen ein
1946 Erhebung zum Kardinal durch Papst Pius XII.
1946 Tod am 22. März in Münster
2005 Seligsprechung durch Papst Benedikt XVI.

Die wesentlichen Daten des Lebenslaufs lassen sich unter anderem durch das Deutsche Historische Museum, die Deutsche Biographie und die offizielle Biografie des Vatikans belegen.

Ein Dokument mit seiner Unterschrift

Besonders interessant wird die Geschichte für mich durch ein persönliches Stück Zeitgeschichte: ein altes Dokument mit der eigenhändigen Unterschrift von Clemens August Graf von Galen.

Eine solche Unterschrift ist mehr als nur eine historische Signatur. Sie stammt aus einer Zeit, in der von Galen noch nicht der später berühmte Kardinal und „Löwe von Münster“ war, sondern ein Geistlicher, Pfarrer beziehungsweise Bischof, der mit Menschen unmittelbar in Kontakt stand und zahlreiche Schriftstücke unterzeichnete. Darunter auch einen Glückwunsch zur Goldenen Hochzeit meiner Urgroßeltern.

Graf von Galen
Das ca. DIN A3 große Dokument war in einem alten Rahmen und leider schon von Tieren angefressen.
Graf von Galen
Die Tinte der Unterschrift ist während der Jahrzehnte leider schon verblasst, aber man kann sie noch erkennen.

Seligsprechung im Jahr 2005

Am 9. Oktober 2005 wurde er im Petersdom in Rom durch Papst Benedikt XVI. seliggesprochen. Sein Gedenktag ist der 22. März, der Todestag des Kardinals. Damit gehört er bis heute zu den bekanntesten Gestalten der jüngeren Geschichte des Bistums Münster.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Deutsches Historisches Museum – Biografie Clemens August Graf von Galen
  • Deutsche Biographie – Clemens Graf von Galen
  • Vatikan – Biografie und Seligsprechung von Clemens August Graf von Galen
  • Bistum Münster – Informationen zu Clemens August Graf von Galen

Biografie beim Deutschen Historischen Museum
Deutsche Biographie – Clemens Graf von Galen
Vatikan – Biografie von Clemens August Graf von Galen

 

Neue Zielgruppe:

linduride

Diese Internetseite Linduri.de richtet sich auch und vor allem an hier geborene oder aufgewachsene Menschen, die weggezogen sind aber noch Interesse an ihre „alte Heimat“ haben oder sie vermissen. Wer noch alte Bilder, Fotos oder Urkunden hat von damals, kann diese gern mit einem Text bzw. Erklärung dazu zusenden. Voraussetzung ist, dass der Zusender über die Rechte der zugeschickten Dokumente verfügt, also z. B. alte Familienfotos auch der alten Heimat usw.

Mit der Zusendung wird mir das Recht erteilt, die Bilder oder Dokumente veröffentlichen zu dürfen, damit alle Heimatverbundenen daran erfreuen können. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht, oder nur mit ausdrücklicher Erlaubnis.